Zahl der getöteten Radfahrer gestiegen: Unfallforscher, VCD und ADFC fordern Assistenzsysteme

Foto: ADFC/Jens LehmkühlerFoto: ADFC/Jens Lehmkühler

Innerhalb von nur zehn Jahren ist der Anteil der getöteten Radfahrer im Straßenverkehr um die Hälfte gestiegen. Rund zwölf Prozent der getöteten Verkehrsteilnehmer waren 2014 Radfahrer – ein Negativrekord. Schwere Verletzungen – vor allem am Kopf – enstehenen in den meisten Fällen, wenn das Unfallopfer von der Front des Fahrzeuges getroffen wird. Dies geht aus einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) hervor.

„Eine Reduktion der Aufprallgeschwindigkeit um 20 km/h, beispielsweise durch eine Notbremse mit Radfahrererkennung, reduziert das Kopfverletzungsrisiko bei Erwachsenen und Kindern am stärksten – und das für alle Fahrzeugfronten“, sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Für die beste Lösung halte er daher Notbremsassistenten für Autos. Deren Weiterentwicklung und Serieneinführung müssten beschleunigt werden.

Das Bundesvorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Ludger Koopmann kritisiert, dass die Autoindustrie zu sehr die Pkw-Insassen im Blick habe: „Fahrradfahrer profitieren bisher so gut wie gar nicht von der verbesserten Sicherheitstechnik.“ Um die Zahl der getöteten Radfahrer zu verringern brauche es daher dringend Außenairbags über die gesamte Windschutzschreibe, Abbiege- und Bremsassistenten sowie Signale, die vor sich öffnenden Autotüren warnen. „Technische Lösungen müssen helfen, das Risiko menschlicher Fehler zu reduzieren“.

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert vor dem Hintergrund der UDV-Studie neben einer verbesserten Ausstattung für Autos auch ein modernes Assistenzsystem für Lkws. Dieses soll helfen die gefährlichen Abbiegeunfälle zu verhindern. Ein serienreifes Modell gibt es weder für Deutschland nach Europa – Grund: mangelnder politischer Druck, wie der VCD analysiert.

„In Zeiten von Einparkassistenten, selbstfahrenden Lkw und Autos ist es unverständlich, dass in diesem für die Radverkehrssicherheit so wichtigen Bereich keine technischen Verbesserungen erreicht werden und diese nicht serienmäßig eingebaut sind“, sagt Wolfgang Aichinger, Referent für Verkehrspolitik beim VCD.

Die UDV-Studie hat auch gezeigt, dass die zuletzt vorgenommenen, Unfallfolgen abmildernden Verbesserungen an Autos – wie etwa Außen-Airbags oder sich aufrichtenden Motorhauben – nur Fußgängern helfen würden. Für Radfahrer sind sie dagegen in einigen Fällen sogar kontraproduktiv.

Neben den Assistenzsystemen kämen auch Außen-Airbags an der bei einem Aufprall kaum nachgebenden Frontscheibe zum Schutz der Radfahrer in Frage. Deren Serieneinführung hält Brockmann aber für unwahrscheinlich. Sie sei zu teuer und technisch kaum umsetzbar, heißt es im Tagesspiegel.

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